20 Mai Wirkt! In der Praxis und über den Tag hinaus.

Als Rückmeldung auf meinen Unterricht sind besonders die Äußerungen wichtig, die aus der Praxis nach der Hochschulzeit kommen. Mit Bezug auf die im Masterkurs Kinderchorleitung an der HfMT behandelte Solmisation erreicht mich soeben dieses Feedback:

Am letzten Mittwoch habe ich in meiner Damenschola übrigens das erste Mal Solmisation ausprobiert. Während die Damen vorher in der Papageienmethode eine Communio oder einen Introitus in 4-6 Wochen drauf hatten (es gibt die Schola seit Oktober), haben sie mir nach der kurzen Einführung ins System eine unbekannte  Communio im III.Ton von den Händen direkt richtig abgesungen. Fazit für mich: Das ist nicht nur was für Kinder und kommt deswegen jetzt wohl auch aktiver mit in die Erwachsenenarbeit rein.“

So soll es sein und so freut es mich – immer wieder!

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07 Mai Chorleiterleben – sicher, auch Musik, aber…

Ein Leben voller Musik! Ja, sicher, auch das macht ein Chorleiterleben aus. Aber wenn man sich nicht auf Chefposten bei Profichören beschränkt, dann gehört da auch ungemein viel Organisation, Kommunikation und harte Schwarzbrotarbeit dazu – heute mehr denn je auch Öffentlichkeitsarbeit.

Erst diese Woche habe ich wieder zweimal die Rückmeldung bekommen, dass neben den Kapiteln über Stimmbildung und Probenmethodik in meinem „Chorleitfaden“ diejenigen über Organisation und Struktur als besonders hilfreich empfunden werden. Dazu passt mein heutiger Tag: zuerst eine mehrstündige Klausur, um das neue Jahresberichtsheft 2015-2016 für den Singkreis Deuerling auf den weg zu bringen, danach konstituierende Sitzung der am Mittwoch neu gewählten Vorstandschaft für die nächsten 3 Jahre.

Auch in meinem Hochschulunterricht gehe ich mit all diesen Dingen offen und vor allem positiv um: wer sich auf diesen Job (gilt für Kirchenmusiker genauso) einlässt, muss damit leben und sollte eine positive Einstellung entwickeln. In diesen Bereichen liegt nicht wenig gestalterische Kraft und wenn man das ausstrahlt, arbeiten die Leute auch gerne mit.

Deshalb auch einmal an dieser Stelle: herzlichen Dank all meinen Mit-Vorständen und den unzähligen Helfern mit kleinen und (sehr) großen Aufgaben! Ohne Euch alle ginge es nicht!

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30 Apr Große Vorfreude: die neue Woehl-Orgel in St. Markus

Woehl-Orgel in St. Markus, Waldetzenberg

Woehl-Orgel in St. Markus, Waldetzenberg

Morgen ist es also so weit: im Gottesdienst um 10:30 Uhr wird die neue Woehl-Orgel in St. Markus, Waldetzenberg, geweiht. Seit einigen Tagen ist sie fertig intoniert und ich nutze die wenigen freien Minuten, die mir bleiben, um dort wieder einmal Orgel zu üben. Es tut so unglaublich gut!

Ein wunderbarer Klang, eine feine, sehr sensible aufgehängte Traktur und dazu die weithin bekannt fantastische Akustik der sechseckigen Kirche – es ist die reine Freude, dort zu spielen.

Ich musste auch nicht lange überlegen, was es zur Einweihung an Literatur geben sollte: Johann Sebastian Bach musste es sein und die ersten Griffe in die Tasten (noch ohne Subbass und ungestimmt) haben mir gesagt: es muss das Es-Dur-Präludium sein (leider gekürzt – die Geduld unsrer Leute ist begrenzt und soll nicht überstrapaziert werden)! Dazu nochmal Bach: der langsame Satz aus der Triosonate C-Dur, den ich so sehr liebe, und am Schluss dann als Rausschmeißer Johann Gottfried Walther Concerto in F.

Pedalregister und Koppeln

Pedalregister und Koppeln

Vorher hatten wir 5 Register, jetzt sind es zehn. Noch wichtiger freilich: vorher war es ein Manual, jetzt sind es zwei! und dazu ein Subbaß, der ganz alleine trägt und klingt, Profil hat aber nichts erschlägt.

Drei Register dann im zweiten Manual und sechs im Hauptwerk – da geht erstaunlich die Post ab 🙂

Ich freu‘ mich sehr auf morgen!

Gedackt, Flöte und Flageolet in Manual II

Gedackt, Flöte und Flageolet in Manual II

Sechs Register im Hauptwerk

Sechs Register im Hauptwerk

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28 Apr Geduld und solide Arbeit – Erfolg wächst manchmal langsam

Das wird ein ganz kurzer Blogeintrag.

Im Oktober habe ich drei Kinderchorgruppen angeboten, wovon die eine am Mittwoch „C“ mit gerade einmal 3 Mädels aus der ersten Klasse und einem aus der dritten (hatte zu den für sie passenden Gruppen „B“ und „A“ keine Zeit) schwer auf der Kippe stand. Wir haben uns entschieden, die Gruppe trotzdem laufen zu lassen, um wenigstens diesen Kontakt zu diesem Jahrgang zu ermöglichen. Stand gestern sind es (mittlerweile ohne das 3.-Klass-Mädchen, das sich gegen Tanzen und für Singen entschieden hat und nun am Donnerstag in die „richtige“ Gruppe „B“ geht) 5 Mädchen und 5 Jungs aus der 1. Klasse. Die werd‘ ich jetzt hegen und pflegen, sie solide ausbilden und dann ist das der Grundstock für eine tolle Aufstockung in „B“.

Und – wer weiß – vielleicht ja doch auch die Startchance für eine eigene Knabenchorformation? Insgesamt sind es jetzt 16 Jungs… und was für welche!

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23 Apr Tradition als Chance auf Zukunft

Natürlich wählt Facebook per Algorithmus sehr gezielt aus, was es in der Timeline von wem erscheinen lässt – in meinem Fall also fast schon ein „Algorhythmus“ (Scherz!). So geht es da oft um Musik, noch öfter um Chöre und sehr viel auch um Kirchenmusik. Aber trotz dieses verzerrten Bildes, das nicht jede und jeder so wahrnimmt, ist es doch bemerkenswert, dass in letzter Zeit immer wieder Beiträge zum Thema Kirchenmusik erscheinen, die man in den entsprechenden Medien eher nicht vermuten würde. So bin ich heute über dies hier gestolpert:

WELT Liedrepertoire Kirche

„Schlimm, wie Kirchen mit ihrem Liedgut umgehen“. Immerhin der leitende Redakteur des Feuilletons der Welt erzählt da von einer privat erlebten Konfirmation und von seinen Empfindungen und Überlegungen zur Auswahl der Gemeindelieder. Die Quintessenz – nur ein „altes“ Lied („Großer Gott“) taucht auf und wird auch mitgesungen, die „neuen“ Lieder sind unbekannt und bei aller Zeitgemäßheit verstummt die versammelte Gemeinde zusehends bzw. zuhörends. Eine Momentaufnahme, eine persönliche Wahrnehmung, sicher. Und „Möge die Straße“ ist zwar kein Lied aus dem Barock, aber wird von vielen doch sicher nicht als unbekannt und damit unsingbar eingestuft. Aber ein Punkt scheint mir doch übergeordnet richtig und wichtig.

Der alte Liederkanon, das alte Liedgut, die tradierten Lieder werden nicht gepflegt, ein neuer Kanon an Gemeinsamem nicht aufgebaut. Es geht – völlig richtig! – darum, den noch in den Kirchen Anwesenden die Chance zu geben, sich möglichst spontan am Gemeindegesang zu beteiligen. Das wird nur tun, wer ein wenig Sicherheit verspürt – das wird sicher nie tun, wer es als Stress empfindet. Nun ist es gleich, wie groß der Anteil Alten und Neuen in einem gemeinsamen Lied“gut“ ist, Hauptsache: möglichst viele haben eine Chance, mitzusingen.

Genau aus diesem Beweggrund heraus führe ich in meiner Gemeinde eine detaillierte Liste mit allen über die Jahre gesungenen Liedern. So wechseln die gleichbleibenden Gesänge wie Gloria oder Sanctus regelmäßig durch, um Abwechslung und Pflege zu gewährleisten. Die beweglichen Teile versuche ich sehr nah an den liturgischen Texten auszuwählen und besonders die Auswahl der Strophen bietet dabei eine große Chance, bekannte Lieder multipel einzusetzen und immer wieder neu erfahrbar zu machen.

Unsere Gemeinde singt, noch, ganz ordentlich. Wer sich davon inspirieren lassen möchte, kann gerne hier auf der Seite unter „Kirchenmusik“ nachsehen.

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