Vor genau einer Woche habe ich via E-Mail und via Facebook versucht, einen Stein mit positiver Wirkung ins Rollen zu bringen.  Die Reaktionen waren überraschend positiv und zahlreich und deshalb will ich damit meinen Blog wieder etwas beleben. Denn die Vorstellung, dass damit gleichsam eine Lawine an Geld für kulturelle (gerne auch soziale, ökologische oder andere) Projekte und Initiativen ausgelöst wird, hat etwas Faszinierendes.

Inspiriert hat mich wieder einmal Vera F. Birkenbihl. In einem längeren Vortrag erwähnt sie an einer Stelle, dass der Mensch darauf eingestellt ist, eine empfangene Freundlichkeit in irgendeiner Form zu erwidern – er fühlt sich dazu innerlich und oft völlig unbewusst verpflichtet. Kann er nun die Freundlichkeit nicht unmittelbar erwidern, so gibt er sie interessanterweise aber bei anderer, meist nächster Gelegenheit weiter. Das konkrete Beispiel, das sie benennt, ist frappierend: an einer Autobahnmautstelle (USA vor vielen Jahren) zahlen Mitarbeiter eines Lehrstuhles für Sozioökonomie einfach immer nicht nur ihre eigene Maut, sondern auch die für das nachfolgende Auto. Kürzest zusammengefasst ist der dreifache Erfolg: den Zahlenden geht es damit hervorragend und sie kommen entspannt und motiviert zur Arbeit – die Mautkassierer freuen sich schon jeden Tag auf diese besonderen Kunden – die derart Beschenkten zeigen sichtlich freudig-überraschte Reaktionen und geben bei einer späteren Befragung an, dass sich diese empfangene Wohltat auf ihr eigenes Verhalten am Arbeitsplatz und in der Familie stark ausgewirkt hat.

Meine Idee war nun (und Tat – habe ich gemacht), ohne Anlass und ohne Erwartung einer Gegenleistung drei Chören, deren Arbeit ich kenne und schätze, einen kleinen Geldbetrag zu spenden, um damit diese „Kette der Freundlichkeiten“ in eine „Kette der Unterstützung zu verwandeln. Alle in unserem Bereich Tätigen leiden darunter, dass eigentlich immer zu wenig Geld da ist und diejenigen, die arbeiten wollen, vorher auch noch Geld mitbringen müssen. Wenn nun diese sich gerade in Chören mit den hohen Mitgliederzahlen „vorarbeiten“ würde, stünde innerhalb kürzester Zeit an verschiedensten Stellen viel Geld zur Verfügung, das zwar auch vorher da war, das auf diese Art und Weise aber anders und wirksamer in Fluss gebracht wird als über mühsam durchgesetzte Mitgliedsbeiträge und Gebühren.

Das ist die Idee. Wir durften uns bereits über viele Spenden freuen und ich verhehle nicht, dass meine Frustration über die knappe Finanzierungslage zweier feiner aber nicht Mainstream-tauglicher Projekte auch ein Auslöser für meine Initiative war. Wir freuen uns auch weiterhin und mit einem Augenzwinkern schlage ich gerne meine beiden Chöre mit direkt kopierfähiger IBAN und dem Hinweis auf selbstverständlich steuerlich verwendbare Spendenquittungen für Spenden vor. Aber wenn jeder drei wählt, dann pflanzt sich das bereits fort. Und wenn jeder drei wählt und meine beiden Vereine nicht berücksichtigt, freut mich das auch. Geld in Fluss bringen – vielleicht ein lohnenswerter Gedanke.

  • vox animata e.V. – IBAN: DE96 7002 2200 0020 0612 19
  • Singkreis Deuerling e.V. – IBAN DE95750500000360141055

Und hier noch der Brief im Wortlaut, für alle die das interessiert und die die Idee vielleicht weitertragen möchten:

Guten Morgen! 

Dies ist eine Art „Bettelbrief“, weshalb alle, die so etwas grundsätzlich nicht lesen oder ablehnen, hier sofort auf „löschen“ klicken können.

 Solltest Du/sollten Sie das noch nicht getan haben, versuche ich es kurz zu machen:

 Der Impuls, diese E-Mail an sehr viele Menschen zu schicken, kommt aus einer aktuellen Situation, wie sie Kulturschaffende und insbesondere auch Chor-Menschen immer wieder erleben. Zwei sehr schöne Projekte, die ich mit meinem Kammerchor vox animata (www.vox-animata.de) 2017 vorhabe, stehen immer noch unter großem Finanzierungsvorbehalt, weil öffentliche Gelder entweder gekürzt oder zu spät zugesagt werden. Das kostet mich – ungelogen – schlaflose Nächte und gefährdet die Arbeit insgesamt. Mit meinem Singkreis Deuerling (www.singkreisdeuerling.de) sieht das dank der großen Mitgliederzahl zwar besser aus, aber auch hier kämpft man um jeden Euro, um schöne Dinge finanzieren zu können. Bis man also Musik machen kann, muss man sehr viel Zeit und Kraft und Nerven investieren und das bin ich – offen gestanden – als einzige Komponente meines Berufslebens ziemlich leid.

Zunächst wollte ich dieses Anliegen einfach mit der Bitte um Spenden an unsere gemeinnützigen Vereine rundschicken. Natürlich gibt es Crowdfunding, Gooding, Frühlingsbasare, Votingaktionen von Radiosendern, CD-Verkauf etc. – aber wirklich geholfen wäre einem vor allem, wenn man ein klein wenig finanziellen Spielraum hätte und damit besonders die vielen jungen Leute, die auch ungewöhnlichere Programme singen wollen, nicht auch noch viel eigenes Geld investieren müssten sondern zumindest etwas weniger (ganz ohne geht es nur bei Profichören, von denen wir weit entfernt sind). Dann aber habe ich gerade wieder einmal Vera Birkenbihl geschaut und bin über die „Kette der Freundlichkeiten“ gestolpert. So habe ich also vor ca. 10 Minuten an drei Chöre, deren Arbeit ich sehr schätze, je 20,00 Euro überwiesen – einfach so, ohne Gegenleistung, ohne Aufforderung dazu. Das tut mir nicht weh und hilft denjenigen zwar nicht viel, aber wenn das viele täten, hülfe es enorm.

Wer von den Angeschriebenen diese Idee also gut findet, könnte einen selbstgewählten wenn auch noch so kleinen (oder großen) Betrag an eine selbstgewählte Anzahl von Chören (oder anderen Kulturträgern) spenden und/oder diese Idee ohne kindische Kettenbriefregeln („Bitte schicke diesen Brief sofort an 10 Personen weiter – unterbrich die Kette bitte nicht!“ …) weiterverbreiten. Vielleicht freuen sich ja demnächst dann viele Verantwortliche a) über das Geld und b) über die Anerkennung ihrer Arbeit, die beileibe nicht weniger wichtig ist als die Kohle.

Und weil ich gerade die Erfahrung gemacht habe, dass es bei zwei Chören unmöglich war, zu spenden, weil die Bankverbindung nicht auf der Homepage stand, bei zwei weiteren ich zuerst selber die IBAN ausrechnen musste, liefere ich hier zwei Möglichkeiten direkt kopierfähig:

  • vox animata e.V. – IBAN: DE96 7002 2200 0020 0612 19
  • Singkreis Deuerling e.V. – IBAN DE95 7505 0000 0360 1410 55

Bei denjenigen, die hiervon genervt waren/sind, entschuldige ich mich.

Bei denjenigen, die mithelfen, bedanke ich mich herzlich. Gerne stehe ich mit meinem Namen dafür, dass jeder Euro sinnvoll verwendet wird.

 

Die Vorbereitung einer Probe ist wichtig und ich hasse es, planlos in eine Singstunde zu gehen. Gestern aber haben wieder einmal tausend auch unvorhersehbare Dinge verhindert, dass ich mir einen sauberen Probenplan hätte aufschreiben können – es hat gerade noch dazu gereicht, die Textblätter für eine neue Übung zu kopieren. Aber ich konnte zum Glück auf die wichtigsten 5 Minuten zurückgreifen, die ich letzte Woche bereits investiert hatte: die Nachbereitung der letzten Probe.

Natürlich habe ich dann auch gestern gleich wieder dieses Investment getätigt, auch wenn es ohne vorliegenden Plan etwas länger dauert (8 Minuten). Gestern also musste ich mir alles notieren, was gerade geschehen war: wer fehlte, wer wieder mal über Bauchschmerzen klagte (ich muss mit der Mutter sprechen!), dass es eine besonders gute Probe ohne mit nur einer einzigen kleinen Ermahnung war, welche Einsingübungen ich wie (z.B. Nachsingen ohne Klavierstütze) gemacht habe, wer bestimmte Übungen (erstmals) besonders gut gesungen hat und warum das wahrscheinlich so war, welche Lieder und Strophen wir gemacht haben, welche Solmisationsübungen („Treppenspringen“ haben die Kinder sich zurecht nach langer Zeit wieder einmal gewünscht) und welche Lieblingslieder in den letzten fünf Minuten sich welche Kinder zur Belohnung gewünscht haben.

Einfacher geht es, wenn man neben den vorbereitenden Notizen nur mehr Haken oder Anmerkungen machen muss. Besonders gerne verwende ich übrigens Emoticons – sieht belebend aus und geht schnell.  Der gestrige Nachmittag hat auf jeden Fall wieder gezeigt: selbst wenn man zeitlich in höchsten Nöten ist – auf die schriftliche Nachbereitung einer Probe unmittelbar danach (spätestens am nächsten Morgen) sollte man nie, nie, nie verzichten!

Zu Beginn eine Warnung: was ich hier als Beitragsbild gewählt habe, ist nicht ganz legal! Zeitschriften- oder Zeitungsartikel einfach abzufotografieren und ins Netz zu stellen, ist nicht erlaubt. Viele Chöre machen das vor allem mit Konzertberichten und Rezensionen und es passiert auch selten etwas, aber: es ist nicht erlaubt.

Ich mache das jetzt aber sehr bewusst und bin sicher, dass es absolut im Sinne der Rechteinhaber ist. Denn als ich gerade beim Morgenkaffee saß und die neue Ausgabe von Chorzeit – das Vokalmagazin las, habe ich mich entschlossen, einen Blogbeitrag, der mir seit Silvester im Kopf herumging, nun doch gleich zu schreiben und nicht (wie ich mir geschworen hatte) zu warten, bis wirklich der ganze Schreibtisch aufgeräumt ist. Bei dieser Gelegenheit sei einmal erwähnt, wie sehr ich nur jeder und jedem choraffinen Menschen empfehlen kann, diese Zeitschrift zu lesen! Die Redaktion schafft es trotz aller Unkenrufe damals beim Relaunch tatsächlich, jeden Monat spannende Themen aufzutun und sie leistet das Wichtigste, was eine Fachzeitschrift leisten kann: sie informiert und motiviert! Bravo nach Berlin!

Jetzt zu meinem Anliegen. Auf Seite 31 ff. geht es im letzten Teil einer Reihe zur Öffentlichkeitsarbeit für Chöre um Social Media. Der Beitrag gibt wie immer wertvolle Tipps zum Umgang mit diesen wichtigen Medien und bezieht sich in seinen Beispielen vor allem auf Facebook. Wer im Netz etwas unterwegs ist, weiß, dass dies auch der Realität entspricht. Die Gründe dafür, dass Chöre eher hier als bei Instagram oder Twitter posten, sind vielfältig: die Altersgruppe der jeweiligen „Macher“ dürfte einer sein, die Altersgruppe der Hauptzielgruppe für Chöre ein nächster (in beiden Fällen sind es nicht die ganz Jungen, aber auch nicht die ältere Generation), außerdem ist „Chor“ einfach gut zu vermitteln in der Kombination aus Bild + Text und die Texte sind auch sinnvollerweise schon mal länger als 140 Zeichen. Ich teile diese Erfahrung und fahre in meiner eigenen PR und für meine eigenen Chöre sehr erfolgreich diese Schiene. Die Tipps, die also in diesem Beitrag der Chorzeit stehen, wiederhole ich hier nicht – kauft euch die Zeitschrift und lest nach!

Und genau darum – um das Empfehlen von Gutem – geht es mir, denn ein wichtiger Tipp fehlt mir im Text dann doch noch. Auf Seite 33 steht im Artikel (übrigens von Claudia Schurz, Redakteurin der Chorzeit) ein entscheidender Hinweis: „… Welche Inhalte Fans bekommen, kann davon abhängen, wie oft sie auf welcher Seite sind oder ob ein Post des Absenders viele Reaktionen bekommt. Ausgewählt werden aber auch Inhalte, die für den Nutzer interessant zu sein scheinen. Fazit: Wer häufiger postet, erreicht auch mehr Menschen.“

„… ob ein Post des Absenders viele Reaktionen bekommt…“

Jeder kann nachschauen: auch ich krebse manchmal mit einem oder keinem „Like“ herum und wundere mich durchaus immer wieder, dass auf bestimmte Dinge nicht mehr Reaktionen kommen. Genauso weiß ich aber aus den indirekten Reaktionen, dass Facebook für viele Menschen ein Medium zum stillen Mitlesen aber nur ja nicht zur öffentlichen Stellungnahme ist. Das betrifft jede Zielgruppe: auch ich habe viel Mühe damit, meine eigenen Chormitglieder zum Liken und Teilen zu bewegen; da steter Tropfen aber auch diesen Stein höhlt, gelingt es immer besser.

Wir Chorleute wissen also, dass die Reichweite eines Posts sofort erhöht wird, wenn viele „Likes“ gesetzt werden, und natürlich noch mehr, wenn oft geteilt wird. Es wäre also für die Chorszene ein leichtes, Facebook geradezu zu instrumentalisieren. Denn wir sind viele und wir sind dort gut repräsentiert. Wenn nun also jede und jeder über ihren/seinen Schatten springen würde und beim Scrollen nicht nur argwöhnisch wahrnehmen würde, wer sich da schon wieder aufplustert und in den Mittelpunkt zu stellen versucht, und dann ganz bewusst NICHT „liked“, sondern wenn wir alle mit offenem Blick jede Chance nutzen würden, um Dinge, die wir gut finden, mit einem Klick oder besser noch einem kommentierten Teilen in die Welt zu blasen, dann hätten wir am Ende alle etwas davon. Ich bin auf diesem Blog (und meinen Coachings, wo es interessanterweise immer auch um diese Dinge geht) sehr offen: auch ich ertappe mich manchmal dabei, eher mit Angst um die eigene Position durchs Netz zu gehen. Aber das ist falsch – wir nehmen uns gegenseitig nichts, wenn wir aktiv an der viralen Verbreitung unseres Anliegens mitarbeiten. Und wir müssten uns freuen, dass wir nicht alleine sind und dass viele gute Ideen nur darauf warten, andere anzuregen und zu motivieren.

Stufe 1 wäre also „gefällt mir“

Stufe 2 „jetzt teilen“

Stufe 3 „in einem Beitrag teilen“

Stufe 4 gezielt in einer Gruppe teilen

Stufe 5 wiederum wäre, ein Netzwerk aus Leuten zu bilden, denen es nichts ausmacht, in Beiträgen oder auf Fotos markiert zu werden. Das ist heikel und sei extra angesprochen, denn man muss nur von sich selber ausgehen: man möchte öffentlich entweder gar nicht ungefragt oder auf jeden Fall nur mit Dingen in Verbindung gebracht werden, hinter denen man zu 100% steht und für die man auch einstehen will. Diese Stufe 5 wäre also dann etwas für echt aktive Netzwerker – wer mag, kann sich gerne bei mir melden. und ich habe übrigens kein Problem damit, weil ich mir die Freiheit nehme, im schlimmsten Fall etwas zu löschen (das kommt ein- bis zweimal pro Jahr vor).

Zum Schluss noch ein Vergleich: Wenn ich bei Kursen und Vorträgen gefragt werde, ob ich denn wirklich glaubte, dass Kinderchorarbeit ganz konkret meinem Erwachsenenchor Nachwuchs bringt, antworte ich wahrheitsgemäß: direkt und unmittelbar nur sehr wenig aber natürlich trotzdem über die vielen Jahre klar nachweisbar in einem Altersdurchschnitt von ca. 35 Jahren bei einer Bandbreite von 14 bis 78; es gibt die kontinuierlichen Sängerbiographien in ein und demselben Chor, aber es sind einzelne. Doch meine Kinderchöre gibt es auch, damit die bei mir ausgebildeten und infizierten jungen Leute, die wegen Studium oder Beruf von Deuerling weg in ihre Stadt ziehen, Lust darauf haben, bei ihnen mitzusingen – ganz egal wo. So ist das auch mit unserer Präsenz im Netz: gemeinsam wären wir noch stärker, weil wir eben nicht nur für unseren Mikrokosmos vor Ort arbeiten! Deshalb ist einer meiner Vorsätze für 2017, noch konsequenter alle Dinge zu liken und zu teilen, die ich ehrlich gut finde – unabhängig von graduell unterschiedlicher Sym- oder Antipathie 🙂 Es muss ja nicht das Konzert im Nachbarort zum gleichen Zeitpunkt sein und natürlich sollte man verbreiten, was man ehrlich gut findet und nicht wahllos posten. Aber hier wäre ausnahmsweise einmal „mehr mehr“.

Übrigens: man kann auch Blogbeiträge kommentieren…

Frohes neues Jahr uns allen!

Herr meiner Stunden und meiner Jahre.
Du hast mir viel Zeit gegeben.
Sie liegt hinter mir
und sie liegt vor mir.
Sie war mein und sie wird mein,
und ich habe sie von dir.

Ich danke dir für jeden Schlag der Uhr
und für jeden Morgen, den ich sehe.
Ich bitte dich nicht, mir mehr Zeit zu geben.
Ich bitte dich aber um viel Gelassenheit,
sie zu füllen, jede Stunde
mit deinen Gedanken über mich.

Ich bitte dich um Sorgfalt,
dass ich meine Zeit nicht töte,
nicht vertreibe, nicht verderbe.
Segne du meinen Tag.“

(Jörg Zink – Gotteslob Nr. 11/1)

Dies zum Dank allen Freunden für jeden guten Augenblick des abgelaufenen Jahres, zur Entschuldigung für jede vergeudete oder abwesende Minute und als Wunsch für alle an das neue Jahr mit der minimalen Abwandlung:
Segne du unser aller neues Jahr 2017!

Wer aktiv etwas zum Erhalt des christlichen Abendlandes tun will, hat dazu in den nächsten Tagen in unzähligen Gottesdiensten aller Konfessionen die Gelegenheit. Gleichzeitig lässt sich dort auch die Seele pflegen: die verwundete kann heilen, die freudige kann danken und teilen. Die Botschaft ist im Kern Einfachheit, Reduzierung bis auf das Wesentlichste. Hoffend kommen – Maul halten und staunen – und dann angstfrei den loben, der uns dieses Geschenk gemacht hat.

In den Gottesdiensten werden Weihnachtslieder dann (hoffentlich) nicht demonstrativ als Kampfgesänge gegen irgendetwas gegrölt, sondern sie werden gemeinsam für die Sache der Liebe und des Verständnisses gesungen. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, liebe Gottesdienstbesucher all überall: macht den Mund auf und singt mit! Weder wir Kirchenmusiker, noch die Pfarrer und geschweige denn der Liebe Gott hören auf falsche Töne, auch die Banknachbarn haben anderes zu tun, als Fehler zu zählen. Aber alle Genannten sind ein wenig traurig über schweigende Zuhörer und Zuschauer.

Es gibt bei uns in der Gemeinde ein wunderbares Beispiel für solch wunderbare, falsche Töne: es ist wirklich schwer, mich aus der Melodie zu werfen, aber einer schafft es manchmal. Und ich freue mich dann doch ehrlich, wenn er da ist und lauthals mitsingt. Der traut sich und es kommt fühlbar von Herzen.

Und ihr Chöre: singt, bitte, nicht „von oben herab“ sondern singt mit den Gottesdienstteilnehmern und nehmt sie mit euren Stimmen mit! Kollegen: belehrt nicht oder glänzt durch eure Liedbegleitung, sondern nehmt mit und führt behutsam – immer wissend, dass da Leute singen, die weder ausgebildete Stimmen haben noch vor jeder Messe ein Atemtraining absolvieren oder sich einsingen. Das ist meiner Meinung nach unser Beruf.

„Habt Mut und fürchtet euch nicht!“