22 Jul Wesentliches auf Youtube

Im Februar 2016 hatte ich die ehrenvolle Aufgabe, beim Leipziger Symposium zur Kinder- und Jugendstimme im Hauptvortrag grundsätzliche Gedanken über die Vorbildfunktion der Pädagogen-Sing-Stimme beizusteuern. Da Leipzig immer mit der Zeit geht (wenn es dieser nicht voraus ist), gibt es nun auch einen Youtube-Channel zum Symposium und mein Vortrag ist dort vertreten. Vor Freigabe habe ich ihn mir nochmal angeschaut – positiv überrascht stelle ich fest, dass dort tatsächlich Wesentliches von dem zu hören ist, was ich in und an der Arbeit von Musik- sowie speziell Gesangs- und Chorpädagogen für wichtig und existenziell halte. Ein wenig Zeit (48 min.) braucht man, aber vielleicht mag die ja jemand investieren.

Hier der Link:

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16 Jul Gemeindegesang im Gottesdienst – Repertoirebildung

Natürlich schafft man es nicht so konsequent, wie man es sich einmal vorgenommen hat. Aber mit kleineren Lücken, in der letzten Zeit jedoch sehr stringent gepflegt führe ich eine Liste, in die ich alle Lieder eintrage, die in den von mir gestalteten Gottesdiensten gesungen wurden. Diese Liste steht immer wieder aktualisiert auch hier auf meiner Homepage unter „Kirchenmusik“, heute stelle ich sie einmal in den Blog, da mir dies ein besonders großes Anliegen ist: Kirchenmusiker haben zuerst und zuvorderst dafür zu sorgen, dass Gemeinden singen.

Dazu ist Repertoirebildung immens wichtig. Das bedeutet, dass zum einen Lieder nicht totgesungen werden – besonders gefährdet sind hier die immer wiederkehrenden wie Gloria, Sanctus, Agnus Dei – und zum anderen, dass selten gesungene Lieder wenigstens ab und an auftauchen und dann auch entsprechend vorbereitet werden. Das muss nicht immer ein „Einüben“ mit der Gemeinde sein. Es kann darin bestehen, dass man das Lied vor Beginn des Gottesdienstes kommentarlos oder mit einem kleinen Hinweis vorsingt (am besten mit Orgelbegleitung), es kann darin bestehen, dass man eine erste Strophe solistisch (oder vom Chor übernommen) vorsingt und die folgenden Strophen die Gemeinde singen lässt, zumindest aber kann ein ausreichend langes und die Melodie klar aufzeigendes Vorspiel sehr helfen, die Gemeinde zum Singen auch unbekannterer Lieder zu motivieren.

Und schließlich immer und immer wieder: mit der Gemeinde atmen! Man muss nicht in den Lautsprecher brüllen, um zu führen, aber man sollte immer mitsingen und damit erspüren, wo man als Laie einfach atmen muss, um nicht zu ersticken, und wieviel Zeit man dafür braucht; vor allem aber ergibt sich ein singbares Tempo, nicht zu langsam, nicht zu schnell. Was dabei herauskommt, kann gängigen Lehrmeinungen durchaus widersprechen und wird sich auch mit den Jahren durch Erfahrung verändern. Es wird sich maßgeblich auch durch den Kirchenraum verändern und sogar im gleichen Raum wird nicht jede Gemeinde gleich singen. Warum muss man gläubige Menschen jenseits der 70 oder 80 zu sportlichen Höchstleistungen treiben? Das hat sich mir als pädagogischer Auftrag noch nie erschlossen, auch wenn ich anfangs allzu blind das abgespult habe, was mir beigebracht wurde.

Es gibt kein größeres Qualitätsmerkmal für Kirchenmusiker_innen als den Gemeindegesang in den von ihr/ihm betreuten Gemeinden.

Hier die Datei zur Repertoirebildung:

NEUES GOTTESLOB_1

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29 Jun In die Tiefe gehen – Wort und Musik

Ich liebe bei den Vorbereitungen zu Konzerten besonders die intensive Auseinandersetzung mit den Textvorlagen der Chorkompositionen, die ich erarbeiten und aufführen darf. Am Wochenende stehen beim Festival Sommersprossen http://freundeskreis-sommersprossen.de diesbezüglich zwei sehr interessante Programme an:

Wie und warum Bach welche Texte für seine Motetten ausgewählt hat und vor allem wie er sie verarbeitet, verschränkt und immer wieder überraschende Synthesen schafft, ist für mich Spiritualität in Reinform. Und was Max Reger am Ende seines Lebens 1914 bewogen haben mag, in den „Acht geistlichen Gesängen“ auf teils derart alte Texte zurückzugreifen, ist ebenfalls eine hoch interessante Frage, besonders in Verbindung mit der schlichten Satztechnik.

Das Programm am Sonntag geht dann sogar von einem einzigen Dichter aus: Rainer Maria Rilke hat alle Textvorlagen der Vokalwerke geliefert und – eine den Blick weitende Facette – zwei Instrumentalwerke inspiriert. Ein Dichte – verschieden Komponisten: gibt es da Parallelen? Wie deutet welcher Kompositionsstil welches sprachliche Bild? Wir gehen dem in einem Gesprächskonzert nach, auf dessen musikalische Leitung ich mich ebenso freue wie auf die Moderation, die mir übertragen wurde.

Wer alle Texte, die vox animata am Wochenende in Rottweil singt, und einige kurze Gedanken dazu nachlesen möchte, findet hier das Dokument:

vox animata rottweil 2016 – bach reger hindemith lauridsen

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24 Jun Sonnenwende – eine andere Perspektive

Leider habe ich weder heute noch am Wochenende (Probenwochenende mit vox animata – endlich wieder mal!) einen Gottesdienst zu gestalten. Wie gern würde ich dieses im Gotteslob unter 465 zu findende, nur wenige Tage im Jahr passende Lied einbauen:

Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht.
Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut,
Herr, zwischen Blüh’n und Reifen und Ende und Beginn.
Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin.

Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht.
Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht.
Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichsein
nimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein.

Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit.
Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit,
die Tage loszulassen und was vergänglich ist,
das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist.

Du wächst und bleibst für immer, doch unsre Zeit nimmt ab.
Dein Tun hat Morgenschimmer, das unsre sinkt ins Grab.
Gib, eh die Sonne schwindet, der äußre Mensch vergeht,
dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht.

(Text: Detlev Block 1978 / Melodie: Johann Steuerlein 1575)

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19 Jun Tag der Musik – Musik macht Heimat

2016-06-18 08.56.08Ein schönes, mehrfaches Bezugskonzept ergibt sich für mich ungeplant: heute ist der vom Deutschen Musikrat getragene „Tag der Musik“ in Deutschland. Ich verbringe ihn mit hoch engagierten Teilnehmern und Teilnehmerinnen meines Lieblingslehrganges Kinderchorleitung an der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf. Hier darf ich seit vielen Jahren arbeiten, habe viele wunderbare Menschen kennengelernt und bekomme von vielen ehemaligen Kurteilnehmern regelmäßig wunderbare Rückmeldung, wie sehr das hier Gelernte in der täglichen Arbeit trägt.

„Musik macht Heimat“ ist das Motte des DMR, sicher anders gedacht als die Analogien, die mich geradezu anspringen. Ich bin zuhause im Singen, bin zuhause in der Musik, bin zuhause im Faszinosum „Chor“, bin zuhause in der Arbeit mit Kindern, bin zuhause in der Lehre, bin zuhause im sehr persönlichen Beziehungsgeflecht, das entsteht, wenn man sich all dem gemeinsam nähert. und ich habe hier in Marktoberdorf einen Ort, der mir in diesem Tun Heimat geworden ist. So stellt sich als Motto meines Tages der Musik klar heraus: Dankbarkeit!

Warum ist das hier so gut und fruchtbringend für alle Beteiligten?

Weil hier nur Leute sind, die genau das Lernen wollen, was wir hier anbieten.

Weil man sich hier nicht nur ein Wochenende lang trifft sondern ganze fünf viertägige Phasen. Das lässt Grundlagenarbeit zu, gibt Raum für Nachfragen, Entwicklung und Reifung. Und die Fülle alleine der Fächer dieses Wochenendes zeigt, dass sonst zwangsläufig vernachlässigte oder stillschweigend vorausgesetzte Fähigkeiten Beachtung finden können: Harmonielehre, Gehörbildung, Vorbereitung der Praxiseinheiten, Lehrproben jeder Teilnerhmer_in mit Kindern, ausführliche gemeinsame Nachbereitung sowie Einzelberatung, chorpraktisches Klavierspiel, Dirigieren, gestische Singleitung, Stimmbildung, Gesangsunterricht, Hinführung zur Mehrstimmigkeit, Musikgeschichte (na ja – eher am Rande :-)), Literaturkunde.

Safe the date: der Start des nächsten Kurses liegt schon fest! 21.-24. Oktober 2017 wird die erste Phase in Marktoberdorf stattfinden und wir freuen uns auf viele, hoch motivierte Interessent_innen!

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