In die Tiefe gehen – Wort und Musik

Ich liebe bei den Vorbereitungen zu Konzerten besonders die intensive Auseinandersetzung mit den Textvorlagen der Chorkompositionen, die ich erarbeiten und aufführen darf. Am Wochenende stehen beim Festival Sommersprossen http://freundeskreis-sommersprossen.de diesbezüglich zwei sehr interessante Programme an:

Wie und warum Bach welche Texte für seine Motetten ausgewählt hat und vor allem wie er sie verarbeitet, verschränkt und immer wieder überraschende Synthesen schafft, ist für mich Spiritualität in Reinform. Und was Max Reger am Ende seines Lebens 1914 bewogen haben mag, in den „Acht geistlichen Gesängen“ auf teils derart alte Texte zurückzugreifen, ist ebenfalls eine hoch interessante Frage, besonders in Verbindung mit der schlichten Satztechnik.

Das Programm am Sonntag geht dann sogar von einem einzigen Dichter aus: Rainer Maria Rilke hat alle Textvorlagen der Vokalwerke geliefert und – eine den Blick weitende Facette – zwei Instrumentalwerke inspiriert. Ein Dichte – verschieden Komponisten: gibt es da Parallelen? Wie deutet welcher Kompositionsstil welches sprachliche Bild? Wir gehen dem in einem Gesprächskonzert nach, auf dessen musikalische Leitung ich mich ebenso freue wie auf die Moderation, die mir übertragen wurde.

Wer alle Texte, die vox animata am Wochenende in Rottweil singt, und einige kurze Gedanken dazu nachlesen möchte, findet hier das Dokument:

vox animata rottweil 2016 – bach reger hindemith lauridsen

Sonnenwende – eine andere Perspektive

Leider habe ich weder heute noch am Wochenende (Probenwochenende mit vox animata – endlich wieder mal!) einen Gottesdienst zu gestalten. Wie gern würde ich dieses im Gotteslob unter 465 zu findende, nur wenige Tage im Jahr passende Lied einbauen:

Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht.
Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut,
Herr, zwischen Blüh’n und Reifen und Ende und Beginn.
Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin.

Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht.
Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht.
Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichsein
nimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein.

Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit.
Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit,
die Tage loszulassen und was vergänglich ist,
das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist.

Du wächst und bleibst für immer, doch unsre Zeit nimmt ab.
Dein Tun hat Morgenschimmer, das unsre sinkt ins Grab.
Gib, eh die Sonne schwindet, der äußre Mensch vergeht,
dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht.

(Text: Detlev Block 1978 / Melodie: Johann Steuerlein 1575)